Miteinander feiern

Publiziert am 06.09.2018  von Esther Hebert

Feste feiern im Jahreskreis - wie sieht die Praxis aus?

„Alle Kinder feiern die christlichen Feste mit – das ist bei uns gar kein Problem“ – so berichten viele Erzieher/innen. Andere dagegen blenden Religion in der Kita lieber aus: „Wir versuchen, überhaupt keine religiösen Feste im Jahresprogramm aufzunehmen, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.“ Wieder andere erleben Feste als Herausforderung: „Wir feiern immer die christlichen Feste und möchten auch die Feste der anderen Kinder feiern – nur wie?“ Für einige Fachkräfte ist aber auch dies schon gelebter Alltag: „Bei uns wird schon seit Jahren das Zuckerfest gefeiert und das ist auch Teil unseres Konzepts.“ – Woran also soll man sich orientieren?
 
Wer überhaupt keine religiösen Feste feiert, läuft Gefahr, einen wichtigen Aspekt im Leben vieler Familien zu ignorieren. Wer nur „seine“ religiösen Feste in einer Kita mit Kindern aus kulturell und religiös unterschiedlichen Familien feiert und von allen erwartet, sich in ihrem Verhalten der Gruppe anzupassen, läuft dagegen Gefahr, dass sich manche Familien ausgegrenzt oder gar „missioniert“ fühlen. Was also tun?
 

Gemeinsames verbindet

"Miteinander auf das Gemeinsame und Verbindende schauen!" – das ist das Prinzip der Autorinnen Viola Fromme-Seifert, Naciye Kamcili-Yildiz und Stefanie Poritzki. Wenn Menschen feiern, dann zeigen sie Freude und sind aufgeschlossen, miteinander zusammenzusein, zu spielen, zu essen und das Außergewöhnliche zu begehen. Und bei religiösen Festen kann man auch etwas lernen: über die eigene und über die andere Religion – dann können wir uns selbst und einander auch besser verstehen.
Konkret heißt das z.B.:

  • Beim Thema "Erntedank" Gesten und Haltungen von Dankbarkeit einzuüben gegenüber der Natur und ihren Gaben sowie allen, die uns ernähren.

  • Beim Thema "Martinsfest" die sozialen Aspekte und den Gewinn des Teilens und der gegenseitigen Zuwendung in den Vordergrund zu stellen und Martin als eine Figur mit Vorbildcharakter zu entdecken.

  • Beim Thema "Opferfest" für einen wertschätzenden Umgang mit Tieren und tierischen Produkten werben, was für alle Menschen ein hohes Gut sein sollte.

  • Zu den Fest(zeiten) Ostern, Weihnachten oder Ramadan gibt es viele Ansatzpunkte, Glaubensfiguren wie Jesus, Maria oder Mohammed aus beiden Religionsperspektiven zu beleuchten, etwas über Fasten als religiöse Praxis und etwas über die heiligen Bücher Koran und Bibel zu erfahren.

Die rund 40 Bausteine und Ideen zur Festgestaltung aus dem Buch "Miteinander feiern" schaffen Grundlagen, um der anderen Religion und Konfession in Respekt zu begegnen. Ein großer Vorteil am Autorinnen-Team ist: Die Religionen kommen selbst zu Wort über die jeweilige religionspädagogische Perspektive der Autorinnen.

 

Und die Feste anderer Religionen?

Dieses Konzept der Festvorbereitung und -gestaltung ist offen für weitere Religionen und Konfessionen. Die christliche und muslimische Festperspektive deckt nur die zahlenmäßig größten Religionsgruppen ab. Ein wichtiges Fest im Buch aber ist exemplarisch für alle Religionen und Konfessionen gedacht: das Namensfest. Bei diesem Fest geht es um das Feiern der eigenen Persönlichkeit und diese unter den Schutz des Göttlichen zu stellen.
 

Gebete für alle

Wenn es um das Feiern religiöser Feste geht, ist das Thema "Beten" wichtig. Religiöse Fest sind ja nicht nur kulturell geprägt, sondern haben einen Glaubenskern, der sich auf etwas Göttliches bezieht. Im Beten wenden Menschen sich an dieses Göttliche. Dabei gibt es verschiedene Dinge zu beachten, damit alle mitbeten können und dabei keine religiösen Gefühle verletzt werden. In den Gebetskarten "Miteinander beten" stehen die gemeinsamen Gebetsanliegen im Vordergrund. Die Karten sind deshalb sowohl zu verstehen als Gebete für die vorgestellten Feste, sie dienen darüber hinaus aber auch das ganze Jahr hindurch und zu bestimmten Themen als Schatztruhe für passende Gebete, die alle Kinder und Erwachsenen mitbeten können.

Unsere Autorin Viola Fromme-Seifert war zu Gast beim Kita-Radio. In einer Sendung spricht sie über das gemeinsame Feiern in der Kita:


 

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